Dienstag, 9. November 2010

Warten auf Mr. Perfect...

Letzte Woche kam mal wieder eine Absage - bei einer Firma, wo sowohl die Stellenbeschreibung, das Interview und die "Chemie" mit den Interviewpartnern zu passen schien. Allerdings hatten sie mich schon vorgewarnt, dass sie "sehr viele" qualifizierte Mitbewerber und noch diverse andere Interviews für die Stelle hätten. Ok, dann lohnt natürlich auch Nachfragen nach den Gründen nicht, die Antwort wird dann wie üblich lauten, dass man sich unter vielen Bewerbern für einen noch besseren Mitbewerber entschieden habe.

Damit war das Thema für mich eigentlich gegessen. Wenn ich nicht in einem der heutigen Job-Newsletter die Stelle wieder neu ausgeschrieben gesehen hätte! Wie, wo sind denn jetzt die angeblich "sehr viele"n qualifizierten Bewerber? Natürlich wieder alle nicht gut genug. Also wird die Stelle immer wieder neu ausgeschrieben und wieder neu ausgeschrieben und nochmal, und derweil über Fachkräftemangel geklagt, wegen dem man die Stelle monate- und jahrelang nicht besetzen kann. Wie wär's stattdessen mal damit, einem der "sehr viele"n qualifizierten Bewerber einfach mal eine Chance zu geben? Ich habe fast dieselbe Stelle ausgeübt und hätte dort sicher alle Erwartungen problemlos erfüllt - wie vermutlich diverse meiner Mitbewerber ebenfalls. Warum will man denn immer noch einmal auf einen noch perfekteren Kandidaten warten?

Ich habe übrigens mich daraufhin kampfeslustig genug gefühlt, dort doch noch einmal anzurufen und nach einem konkreten Grund für die Absage zu fragen. Vermutlich bringt das eh nichts als Standard-Blabla, aber wenigstens hätte ich die Sache mit dem qualifizierteren Mitarbeiter diesmal abblocken und so vielleicht das Überraschungsmoment ausnutzen können, um eine halbwegs brauchbare Antwort zu erhalten. Nur wie üblich ist gerade dann, wenn man als Ex-Bewerber versucht nachzufragen, der entscheidende Personaler nicht im Hause. - Ich weiß nicht, ob ich es jemals geschafft habe, denjenigen direkt ans Telefon zu kriegen, ohne ihm jeweils erst über mehrere Tage und Wochen hinterhertelefonieren zu müssen... (Was man natürlich maximal 1-2 mal durchzieht, danach wäre man Masochist, wenn man sich so etwas noch öfter antut.)

Wenn das die Ausnahme wäre, in Ordnung. Aber mit begegnet dieses Wiederausschreiben von Stellen überall. Man bewirbt sich, hat alle Qualifikationen, wird aber trotzdem nur in den wachsenden Bewerberstapel gesteckt, währen die Stelle immer wieder neu ausgeschrieben wird. Oft kriegt man nicht mal eine Absage, denn man ist als Notlösung immer noch so 10% im Rennen, falls sich nach 3 Jahren wieder- und wiederinserieren immer noch niemand Perfekteres findet?! Nun gut, da muss ich der Firma von letzter Woche also wohl für den Respekt danken, dass sie mir wenigstens eine Absage geschickt haben...

Freitag, 5. November 2010

Verlängerung unmöglich

Wie schon bei meiner letzten Stelle (und in gewisser Hinsicht auch bei meiner vorletzten) ist inzwischen immer sicherer, dass am Ende meines jetzigen Vertrages kein Geld für eine Verlängerung existiert.

Wie bisher ist diese Tatsache völlig leistungsunabhängig. - Wobei ich allerdings zugeben muss, dass diesmal meine Leistung kaum mehr als durchschnittlich war. Aber wie soll man aber auch seine Motivation auf Dauer aufrechterhalten können, nachdem man wiederholt feststellen musste, dass auch volle Motivation und Enthusiasmus, harte Arbeit, allseits hochgelobte Ergebnisse und gute Zusammenarbeit im Kollegenkreis absolut nutzlos ist, wenn man am Ende trotzdem auf der Straße steht...

Wie bisher habe auch weder ich noch mein direkter Chef Einfluss darauf, ob es Geld gibt oder nicht. Bei meinen letzten Stellen wurden von mehreren Etagen höher Befehle heruntergereicht, alle Stellen von neueren Mitarbeitern (und "nein, keine Ausnahmen") wegzustreichen bzw. die Gehälter so zusammenzukürzen, dass jeder, der es noch irgendwie zu etwas leicht Besserem schafft, von selbst geht. Diesmal geht es um Uniprojekte: Ich bin an einem auslaufenden Projekt beschäftigt, für das ein Nachfolgeprojekt auf der Hand liegt. (Und da ich mich gerade erst in dieses erste Projekt eingearbeitet habe, ist für mich auch nur das Nachfolgeprojekt wirklich sinnvoll, weil jeder Projektwechsel keinen Vorteil gegenüber einem kompletten Stellenwechsel hätte.) Die Beantragung des Folgeprojekts, einer Kollaboration diverser Gruppe, liegt in der Hand eines anderen Lehrstuhls, der jegliche Versuche, diesen Prozess zu beeinflussen, zu beschleunigen oder ggf. auch zu übernehmen abblockt mit der Bemerkung, sie hätten alles unter Kontrolle. - Leider stellte sich heute wieder einmal heraus, wie wenig unter Kontrolle sie es in der Tat haben. Nachdem wir seit Monaten immer nur warten, bis die jeweiligen Ansprechpartner aus dem Urlaub oder Krankheit zurückkommen, die nächste Verhandlungsrunde startet, Projektvoranträge geprüft werden u.ä., wurde gerade bekannt, dass der Vorantrag (mangels vorhandener Töpfe) abgelehnt wurde. Allerdings sollen wir jetzt, anstatt andere Fördermöglichkeiten zu prüfen, einfach wieder weiterwarten auf ein "Wunder", weil irgendjemand dort Gerüchte in die Welt gesetzt zu haben scheint, dass evtl. die Geldtöpfe urplötzlich irgendwoher aufgestockt werden könnten. Nur leider läuft das alte Projekt am Jahresende aus und damit mein Gehalt. Zwar kann mein Chef aus Mitteln unseren Lehrstuhls noch ein paar Gelder lockermachen, um mich noch ein halbes Jahr zu behalten. Nur wird das Problem des Folgeprojekts durch endloses Weiterwarten nicht gelöst, und das halbe Jahr hätte vermutlich nur mit Mühe die Zeit überbrückt, wenn der erste Antrag problemlos durchgegangen wäre.

Also, jetzt ist es bestätigt, was seit Monaten schwelte (weswegen ich das Dauerbewerben neben der Arbeit und Familie nie aufgegeben hatte, leider erfolglos): Wieder frisch weiter bewerben, irgendwo wieder ganz von vorne anfangen, quasi als Berufseinsteiger - nur leider wieder etwas älter und wieder eine Unstetigkeitsstufe mehr im Lebenslauf.

Willkommen!

Nachdem ja angeblich in D Fachkräftemangel herrscht, sollte es mir als eben solcher mangelnder Fachkraft (wenn man denn recht vielseitig erprobte Naturwissenschaftler in die Definition mit aufnimmt, was die meisten Fachkräftemangel-Schreier zu tun scheinen) eigentlich nicht schwer fallen, eine längerfristige Stelle zu finden, von der ich meine Familie ernähren kann. Stimmt's?

Nun ja, bisher sehe ich - nach über zweijährigen Dauerbewerbens - davon nichts. Im Gegenteil sehe ich:

- arrogante Personaler, die mir eiskalt sagen, dass ich in Deutschland nichts Besseres finden werde als eine unendliche Abfolge von Ein-Jahresverträgen zu sinkendem Gehalt.

- Mir begegnen "Skill sheets", wo Hunderte Spezial-Fähigkeiten abgefragt werden, die nichts über die wirkliche Qualifikation und Lernfähigkeit aussagen und nach dessen Ausfüllen ich mich als absolut unqualifiziert herausstellte für meine eigene vorherige Stelle (bei der mein Chef fast entsetzter als ich war, als er mich auf "Befehl von oben" nicht mehr dabehalten durfte).

- Ich werde zu Interviews eingeladen und, nachdem ich Urlaubspläne u.ä. dafür über den Haufen geschmissen habe, vor dem Interview gleich wieder ausgeladen.

- Ich bewerbe mich auf konkrete Stellen, um dann als Initiativbewerbung mit Hunderten anderen "abgelegten" Kandidaten auf immer und ewig in den firmeninternen Bewerberdatenbanken weggespeichert zu werden.

- Ich erkundige mich nach vielen Monaten ohne Reaktion auf meine Bewerbungen, bei denen ich ausnahmslos alle in der Anzeige erwünschten Kriterien erfülle, um zu erfahren, dass das Bewerbungsverfahren immer noch läuft, während die Stellenanzeige immer wieder neu ausgeschrieben wird, damit sich vielleicht noch perfektere Kandidaten bewerben. (Und während die Firma gleichzeitig der Politik vorjammert, wie sie monate- und jahrelang die Stelle nicht besetzen "können".)

- Wenn ich erkläre, zu einem bestimmten Zeitpunkt zur Verfügung zu stehen (ist schließlich nicht ungewöhnlich bei Zeitverträgen...), werde ich von Personalern, die die Stelle lieber heute als in zwei Monaten besetzen wollen, angeschnauzt, dass ich die falschen Prioritäten setze, indem ich ihnen nicht jederzeit sofort und klaglos (für einen noch schlechter bezahlten Einjahresvertrag in einer Branche, die schon mit großer Wahrscheinlichkeit absehbar am Ende dieses Vertrags kein Geld mehr zur Verlängerung jeglicher Verträge haben wird) zur Verfügung stehe - da werde man sich halt einen Bewerber auswählen, der flexibler ist.

Daher möchte ich ab jetzt öffentlich protokollieren, wie heutzutage mit uns "Bettelvolk" von qualifizierten Jobsuchenden umgesprungen wird. Hoffentlich mit reger Beteiligung von anderen in ähnlicher Lage sollten wir als Bewerber diesem menschenverachtenden Zirkus endlich entgegentreten - Firmen öffentlich anprangern, die Bewerber wie Dreck behandeln; unsere Erfahrungen sichtbar machen, um dem Geschrei nach angeblich fehlenden Fachkräften Konkretes entgegensetzen zu können; unserer Wut Luft machen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Also bitte, viele Kommentare, persönliche Beispiele, Links usw. sind hier erwünscht!